Die Rede des Kollegen Bernhard Nolz und ihre
persönlichen und politischen Folgen.
Ein Beispiel politischer Repression auf dem Hintergrund der
Kriegsvorbereitungen der Nato.
Am 18.09.01 fand in Siegen ein "Trauermarsch" Siegener SchülerInnen unter
der Losung "Gegen Terror, Gewalt und Krieg" statt.
Mehrere Schülervertretungen hatten aus Anlass der Anschläge in New York und
Washington hierzu aufgerufen. Die Schulleiter hatten hierfür alle SchülerInnen
ab der 8.Klasse vom Unterricht befreit. An dem Trauermarsch nahmen ca. 3.000
SchülerInnen teil.
Auf der Abschlusskundgebung wurden mehrere kurze Wortbeiträge,
insbesondere von SchülerInnen, mit Trauerbekundungen gehalten. Die
Schülervertreter hatten den Lehrer Bernhard Nolz der
Bertha-von-Suttner-Gesamtschule gebeten, die Abschlussrede zu halten.
Diese
Rede war deutlich politisch akzentuiert mit u.a. der Verurteilung des
Terroranschlags, mit Verurteilung der Weltpolitik der USA und dem Aufruf den
Kriegsdienst zu verweigern. Die Abschlussrede wurde von den noch anwesenden
SchülerInnen mit freundlichem Beifall quittiert.
Bereits am darauf folgenden Tag denunzierte die konservative lokale "Siegener
Zeitung" die Rede als herbe Kritik an den USA. Ab dem 20.09.01 wurden die
Angriffe auf Bernhard Nolz täglich verschärft, sogar die Bildzeitung feuerte
eine Breitseite auf den "Terroristenverteidiger" ab. Lokale CDU Politiker,
namentlich der Bundestagsabgeordnete Paul Breuer, traten als Scharfmacher in
der Hetzkampagne hervor. Es wurde von Missbrauch der TeilnehmerInnen an
den Abschlusskundgebung und gar von strafbaren Handlungen (Billigung von
Straftaten nach § 140 StGB) durch den Redner gesprochen. Schließlich wurden
die Staatsanwaltschaft Siegen und der Staatsschutz Hagen in die Ermittlungen
eingeschaltet, und Bernhard Nolz wurde von der Bezirksregierung Arnsberg
vorläufig vom Schuldienst suspendiert.
Mit zunehmender Dauer und Schärfe der Auseinandersetzungen um die
Abschlussrede und den Redner wurden verschiedene Bereiche getroffen und
unterschiedliche Absichten deutlich.
Auf der schulischen und beruflichen Ebene sind die Folgen für Bernhard Nolz
besonders heftig und einschneidend. An der Gesamtschule ist er als
"Friedenspädagoge" bekannt und bei seinen KollegInnen und SchülerInnen mit
seinem Programm zur friedlichen Konfliktbewältigung gefragt. Als solcher
wurde er auch für die Abschlussrede von den Schülervertretern angefragt.
Die Aufregung auch vieler Schülervertretungen über die Abschlussrede kann
wohl zum einen durch andere Erwartungen bzw. Kenntnis der Rede erklärt
werden und zum anderen durch die Scharfmacherei von einigen Lehrern, Presse
und Lokalpolitikern.
Sicherlich wurde sofort Disziplinierungsdruck von Lehrern, Schulleitungen
konservativerer Schulen gegenüber dem Leiter Walter Karbach der eher als
offen angesehenen Gesamtschule ausgeübt; aber dass dieser am 2. Tag nach der
Kundgebung bereits dienstrechtliche Konsequenzen ankündigte, ist doch eher
Angst vor öffentlicher Meinung und vorauseilendem Gehorsam geschuldet.
Verstärkt wurde der Druck auf den Leiter der
Bertha-von-Suttner--Gesamtschule durch den Leiter der konkurrierenden
Gesamtschule Eiserfeld, Joachim Pfeifer, der sich wohl damit zu profilieren
glaubte (Auseinandersetzung um ein Förderprogramm der Bertelsmann -
Stiftung).
Solidarität hat Bernhard Nolz von einzelnen KollegInnen erhalten, weder
Lehrerkollegien noch die örtliche GEW stellten sich hinter ihn, obwohl
mittlerweile in Leserbriefen und Diskussionen differenziert wird zwischen den
politischen Inhalten der Rede und den arbeitsrechtlichen Folgen, nämlich dem
faktischen Berufsverbot., was die meisten Kritiker angeblich nicht verfolgen.
Die Schülervertretung der Bertha-von-Suttner--Gesamtschule hatte den
Trauermarsch initiiert, An den darauffolgenden Tagen wurde diese von den
Ereignissen (Protestfaxe in der Schule) überrollt. Schließlich gab diese eine
Presseerklärung ab, in der B.Nolz Missachtung von Absprachen und Missbrauch
der Trauerveranstaltung für seine politische Anschauung vorgeworfen wurden.
In der Folgezeit fand sich aus den SchülerInnenreihen keine Kraft, die dem
Druck aus der konservativen Ecke hätte was entgegensetzen können. Lediglich
einzelne SchülerInnen zeigten B. Nolz ihre Solidarität.
Am 20.10.01 will die Bezirksregierung als personalführende Behörde
entscheiden, ob weitere disziplinarische Schritte gegen den Kollegen Nolz
verfolgt werden.
Zwar hatten die polizeilichen Vorermittlungen keine "strafrechtlich relevanten
Aussagen" zu Tage gefördert, die Staatsanwaltschaft prüft jedoch weiterhin
die Sachlage; aber es kann davon ausgegangen werden, dass von der
strafrechtlichen Seite kein Verfahren zu Stande kommt. Wesentlich hier ist,
dass der Ruf des Kollegen Nolz durch das Vorgehen schwer beschädigt und er in
eine terroristische Ecke gedrängt wird, so dass die weitere Ausübung seines
Berufes geradezu zunichte gemacht wird.
Die örtliche GEW als primäre Interessenvertretung hat sich öffentlich zu den
Vorgängen bisher nicht geäußert. Dies kann Differenzen um die Einschätzung
von Person und Sachlage beinhalten, kann Angst ausdrücken, auch in die
terroristische Ecke gedrängt zu werden. Ein Mitglied des Ortsvorstandes (R.
Jung) ist wie B. Nolz auch Mitglied des Vorstandes im Förderverein der
Bertha-von-Suttner-Gesamtschule; ohne die Sachlage genauer zu prüfen hat
dieser dem Kollegen Nolz den Rückzug aus dem Vorstand angetragen. Der
Ortsverbandsvorsitzende der GEW Siegen, Wilfried Böhl, schwieg bisher zu
den Vorgängen. Die Verhaltensweise der örtlichen GEW läuft auf jeden Fall
darauf hinaus, dass sie den Kollegen Nolz im Stich lässt.
Von anderen offiziellen Gewerkschaftsteilen sind gleichfalls keine
Solidaritätsbekundungen bekannt geworden. Lediglich ein kleiner Kreis linker
Gewerkschafter hat dem Kollegen Nolz eine Solidaritätsbekundung mit
Unterschriftenliste zukommen lassen.
Als weitere Ebene muss die politische Aktivität des Kollegen Nolz in der Anti
-Kriegsbewegung Siegens beleuchtet werden. B.Nolz ist nicht nur Lehrer im
friedenspädagogischen Bereich, sondern seit Jahren in der Friedensbewegung
aktiv und seit 1999 mit Gründung des (Siegener) Zentrums für Friedenskultur
(ZfK) dessen Geschäftsführer. Bereits seit Ende der Siebziger / Anfang der
Achtziger geriet Nolz in das Mahlwerk polizeilicher Ermittlungen, als im Zug
der RAF - Hysterie jegliche linke Aktivität beäugt und verfolgt wurde.
Jedes Jahr im Dezember wird von Aktiven der Siegener Anti - Kriegsbewegung
eine Demonstration und eine Kundgebung aus Anlass des vernichtenden
Bombenangriffs im Dezember 1944 auf Siegen organisiert. Dies stieß jedes
Jahr auf große Resonanz in der Siegener Bevölkerung trotz Boykott und gar
heftiger Anfeindungen durch die konservativen und offiziellen Siegener
Politikvertreter. Das ZfK ging nicht unwesentlich aus diesem Zusammenhang
hervor und nimmt in der weiteren Organisierung dieser jährlichen Veranstaltung
eine wichtige Rolle ein.
In erster Linie ist das ZfK eine Bildungseinrichtung, die eigene
Bildungsangebote macht oder Referenten, Räumlichkeiten und Materialien
anbietet. Ein Diesterweg - Archiv ist in Planung.
Aber das ZfK und sein Umfeld ist ansonsten noch sehr aktiv: daneben finden
regelmäßige Treffen von Friedensengagierten im Zentrum statt, es werden
Veranstaltungen zu Krieg und Frieden durchgeführt, und die Räumlichkeiten
samt Archiv und technischen Möglichkeiten (u.a. mehrere Computer mit
Internetzugang) werden interessierten Personen und Organisationen zur
Verfügung gestellt.
Im Wesentlichen wird das ZfK durch das Engagement seiner Mitglieder
getragen. Eine starke finanzielle Stützung erfährt das ZfK durch das Land
NRW. Die Stadt Siegen hat jeweils Kleckerbeträge für konkrete Projekte zur
Verfügung gestellt ( im Jahr 2000 insgesamt 2.920 DM, z.B. für interkulturelle
Entwicklungsarbeit mit Internet - Unterstützung", in diesem Jahr insgesamt
6.500 DM u.a. für Agenda -Projekte im Zentrum).
Trotzdem sind diese Beträge für das ZfK wichtig, weil damit die Bedeutung des
Zentrums im lokalen politischen Raum dokumentiert und eine verlässlichere
finanzielle Basis in der Zukunft erhofft wird.
Es wird nun von Paul Breuer (MdB) anderen Konservativen nicht nur lauthals
danach gerufen, dem Zentrum den Geldhahn zuzudrehen, sondern es wird auch
dazu aufgefordert, die Zusammenarbeit von städtischen Stellen und anderen
Organisationen/Einrichtungen (wie z.B. Eine-Welt-Forum, Agenda-21-Gruppen,
Gleichstellungsstelle und Seniorenbeauftragte der Stadt Siegen) einzustellen.
Hier blamiert sich die CDU (die die Mehrheit im Rat stellt) geradezu, wird doch
damit die gute Arbeit des ZfK bescheinigt, und gleichzeitig wird alles daran
gesetzt, das Zentrum finanziell auszutrocknen. Eine bereits zugesagte
Veranstaltung (Internet für MirgrantInnen) wurde durch die Stadt Siegen
kurzer Hand abgesagt. Solange die politische Wirkung des ZfK eher im
Hintergrund blieb, konnte man sich sogar liberales Verhalten bescheinigen.
Nun ist all dies aufgekündigt. Die Konservativen Kräfte sehen die Möglichkeit,
auf der Trauerwelle nicht nur die Solidarität mit den USA und deren
Weltordnungszielen festzuklopfen sondern auch gleichzeitig eine aktive
Heimatfront aufzubauen, die jegliches kritische Verhalten dazu (vor allem wenn
es organisiert auftritt) den Garaus macht. Dass die Folgen hieraus nicht auf
einzelne Personen beschränkt bleiben werden, kann ersehen werden an einer
geplanten
Ausstellung im Rathausfoyer: Die "Arbeitsgemeinschaft Siegerländer
Friedensbewegung" hat vor kurzem (vor dem 18.09.01) die Räumlichkeiten
beantragt, Thema der Ausstellung :" Gegen den Strom - Bilder u. Dokumente
zum zivilen Widerstand gegen das NS - Regime".
Die CDU versuchte 1 dies mit
aller Macht zu hintertreiben und verwies auf den Namen B. Nolz, obwohl dieser
die Zurverfügungstellung des Räumlichkeiten gar nicht beantragt hatte, Die
zwischenzeitlich ergangene Genehmigung wurde zurückgezogen. Die SPD
schweigt zu den Vorgängen. Lediglich die Grünen verteidigen Nolz und das ZfK
im parteipolitischen Raum.
In der Siegener linken Szene gibt es heftige Diskussionen zu der
Heimatfrontkampagne der CDU. B. Nolz hat vielfältige Solidarität erfahren, die
Veranstaltungen des ZfK sind besser besucht als zuvor, mehr Aktive haben sich
um das ZfK versammelt, und mittlerweile wird eine Unterschriftensammlung
"gegen die Kriminalisierungskampagne der CDU Siegen" durchgeführt (beteiligt
ZfK-Mitstreiter, Gruppe "Widerstand International", Sozialistische
Alternative Voran u. PDS).
Siegen, 9.10.01
Bernhard Nolz
2001-09-17
Rede zur Schüler/innen-Kundgebung "Gegen Terror, Gewalt und
Krieg"
Liebe Schülerinnen und Schüler,
ich bin Lehrer an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, deren Schülerinnen und
Schüler die Initiative ergriffen haben.
Bertha von Suttner war eine
Friedenskämpferin und die erste Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt.
Wenige Wochen vor dem Beginn des 1. Weltkrieges im Jahre 1914 starb sie. Ihr
Vermächtnis halten unsere Schülerinnen und Schüler am heutigen Tag wach.
Ich bin ein "Zugereister", ich stamme nicht von hier, bin nicht aus Siegen.
Geboren bin ich in Otterndorf bei Cuxhaven. Mein Vater war Österreicher aus
Wien, meine Mutter Hamburgerin. In Schleswig-Holstein, nicht weit weg von
Dänemark, habe ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht. Mein Vater war
katholisch, meine Mutter evangelisch. Mein Bruder und ich wurden evangelisch
getauft und konfirmiert. 10 Jahre später bin ich aus der Kirche ausgetreten. Ein
Freund von mir ist Buddhist geworden. Meine besten Schülerinnen sind Muslime.
Wir wissen nichts über die Glaubens- oder Religionszugehörigkeit der Opfer
des Terroranschlags in New York. Die Täter sollen Islamisten sein. Im Tod sind
alle Menschen gleich, sagt man. Und in allen Religionen findet sich das Gebot: Du
sollst nicht töten! Es gilt für alle Menschen. Auch für Terroristen und Politiker.
Deshalb meine ich auch, dass Politiker kein Recht dazu haben, Kriege zu führen
und Menschen töten zu lassen.
Auch Politiker sind den Menschenrechten verpflichtet. Das grundlegendste
Menschenrecht ist das Recht auf Leben.
Menschenleben und Menschenrechte aber sind den Terroristen egal.
amnesty international prangert Menschenrechtsverletzungen überall auf der
Welt an. Wer sich für die Menschenrechte einsetzt - leistet einen Beitrag gegen
Terror, Gewalt und Krieg.
Ihr könntet bei amnesty oder bei anderen Organisationen mitmachen! Und ihr
könnt auch im alltäglichen Umgang miteinander versuchen, auf körperliche
Gewalt und auf die verletzende Gewalt der Worte zu verzichten.
Es wird nur noch wenige Schulen in Siegen geben, die noch nicht das
Streitschlichterprogramm eingeführt haben. Die Methode, Konflikte durch die
Vermittlung von Dritten lösen zu können, ist nicht neu. Sie ist meines Erachtens
aber so erfolgreich, weil sie Winner-Winner-Lösungen ermöglicht. Beide
Parteien haben aus den Verhandlungen und Gesprächen einen Gewinn erzielt, der
den Konflikt beendet. Was bei Kindern und Jugendlichen funktioniert, klappt
auch bei den Erwachsenen. Mediation, das ist der Fachbegriff für
Streitschlichtung, kommt immer mehr zum Zuge, z.B. bei Scheidungen und in
Nachbarschaftskonflikten.
Auch die Konflikte von Staaten und Bevölkerungsgruppen gehören an den
Verhandlungstisch. Das war auch Bertha von Suttners Idee. Sie forderte die
Politiker immer wieder auf, zu Friedenskonferenzen zusammen zu kommen, statt
mit Soldaten aufeinander los zu gehen.
Auf der 1. Weltfriedenskonferenz im
Jahre 1899 in Den Haag durfte sie als einzige Frau reden. Terroristen reden
nicht, sie verbreiten Furcht und Schrecken, um an die Macht zu gelangen. Wenn
sie an der Macht sind, machen sie meist mit dem Terror weiter. Das nennt man
Staatsterrorismus. Dann verbreiten Todesschwadronen von Polizei und Militär
Angst und Schrecken, sie foltern, töten und vernichten. Die millionenfachen
Opfer des Terrors in aller Welt mahnen uns zu Toleranz und Nächstenliebe. Es
darf kein Klima des Hasses und des Misstrauens entstehen. Solche Zeiten hatten
wir öfters in Deutschland. Ich habe so die siebziger Jahre erlebt. Da waren es
die RAF-Terroristen, die mit ihren Gewalttaten die Herrschaftsverhältnisse in
Deutschland ändern wollten. Wie heute schlug der Staat auch damals mit
Gesetzesverschärfungen und harten Strafen zurück - und traf auch viele
Unschuldige. Ich gehörte zum Kreis der Verdächtigten, weil ich mit meinen
Schülerinnen und Schülem genau das gemacht hatte, was wir hier gerade machen:
Wir hatten auf dem Marktplatz demonstriert. Ich wurde angezeigt und als
Verfassungsfeind bezeichnet.
Erst Wochen später fanden Kriminalpolizei und
Verfassungsschutz - eine Art Geheimdienst - heraus, was in unserer Stadt jeder
schon wusste: Wir hatten für den Bau eines Schwimmbades demonstriert, damit
die Schüler in der Schule schwimmen lernen können. Die Zeit der
Verdächtigungen und Beschuldigungen, ein Terrorist zu sein, war furchtbar für
mich. Ich möchte so etwas nicht wieder erleben. Deshalb wehre ich mich dagegen,
dass zur Jagd auf Terroristen geblasen wird. Vielmehr sind Besonnenheit und
Mässigung gefragt, um die Spirale der Gewalt zu stoppen! Rachefeldzüge und
Vergeltungsschläge machen alles nur noch schlimmer und sie treffen Unschuldige!
Wir wollen keinen Krieg! Militärschläge nützen weder den Opfem des Terrors
noch sind sie ein geeignetes Mittel zur Verhinderung des Terrorismus.
Wir verweigern uns der Gewalt und dem Krieg! Euch, ihr Schüler, rufe ich auf,
wenn ihr wehrpflichtig werdet, den Kriegsdienst zu verweigern. Damit setzt ihr
ein Zeichen für den Frieden.
Und ihr, Schülerinnen, ihr könnt eurem Freunden zum Zivildienst raten weil sie
dort lernen können, wie man helfend und wertschätzend miteinander umgeht.
Nach den grausamen Erfahrungen des 2. Weltkrieges hatte die Gemeinschaft der
Völker die Vereinten Nationen gegründet. Dort sollen die Probleme und
Konflikte verhandelt werden und auf friedliche Art und Weise - ohne Krieg –
gelöst werden. Seit vielen Jahren beeinträchtigen die USA die Arbeit der
Vereinten Nationen. Das reichste Land der Weit kommt seinen finanziellen
Verpflichtungen nicht nach und bezahlt seine Beiträge nicht. Derselbe Staat
stellt jetzt 40 Milliarden bereit, um aufzurüsten und andere Länder mit Krieg
zu überziehen. Tatsache ist: Für Alphabetisierungs- und Lernprogramme, für
das Gesundheitswesen und für die Schaffung sozialer Einrichtung in den
unterentwickelten Ländern werden diese Milliarden dringend gebraucht.
Stattdessen will die Nato, wie sie es vor zwei Jahren auch in Jugoslawien
gemacht hat, Städte und Dörfer und die dort lebenden Menschen platt machen.
Das darf nicht geschehen.
Das Zentrum für Friedenskultur in Siegen, dessen
Geschäftsführer ich bin, führt jedes Jahre ein Schülerprojekt durch. Es heißt:
SPUN, das bedeutet Schüler Planspiel United Nations. Dort wird eine
UN-Sitzungswoche simuliert und man lernt auf spielerische Art, wie Konflikte
durch Verhandeln und Diskutieren gelöst werden können und arbeitet mit an der
Gestaltung einer friedlichen Welt. Anmeldungen von Schülergruppen nehmen wir
im Zentrum für Friedenskultur entgegen.
Im Juni dieses Jahres war ich mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern,
die aus unterschiedlichen Gründen nicht am Religionsunterricht teilnehmen, im
Friedensdorf Oberhausen. Dort leben z.Z. 120 Kinder aus Kriegsgebieten in
Europa, Afrika und Asien. Die Kinder sind Kriegsopfer. In Deutschland erhalten
sie ärztliche Hilfe und lernen mit ihren Verstümmelungen und Verletzungen zu
leben, bis sie so weit wieder hergestellt sind, dass sie in ihre Heimatländer
zurück kehren können. Die Bertha-von-Suttner-Gesarmtschule unterstützt das
Friedensdorf Oberhausen. Ähnliche Hilfsprojekte gibt es an anderen Schulen.
Wir fordern die Politiker auf die Steuergelder nicht f'ür neue Waffen und in
sinnlosen Kriegen zu verschleudern. Hilfsorganisationen und Friedensdienste
sollten in die Krisengebiete geschickt werden.
Genau das meinte Bertha von
Suttner mit ihrer Parole: Die Waffen nieder!
Wir alle wüssten, wofür wir die Milliarden verwenden würden: Mehr Geld für
Schulen und Kindergärten! Mehr Geld für Schüleraustausch-Programme! Mehr
Geld für Projekte der Begegnung, wo junge und alte Menschen, Menschen
unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichem Glauben und mit
unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen zusammen kommen und sich
austauschen können. Mehr Geld für eine Jugendarbeit, die der Verständigung
und dem friedlichen Zusammenleben dient. Damit würden Politiker euch
Hoffnungen machen können auf eine lebenswerte Zukunft, die nur im Frieden
möglich ist.
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